Dieser Ort war schon immer für Erding da.
Markt, Rathaus, Getreidebörse, Sparkasse, Museum, Schule, Rotes Kreuz, Bank. Und ab 2026 wieder ein Ort, an dem die Stadt zusammenkommt.
Vom Getreidemarkt zur Tagesbar. Dazwischen liegen Rathaus, Museum, Schule und Bank.
Schrannenplatz 1 liegt genau in der Mitte der Erdinger Altstadt. Hier wurde Getreide gehandelt und Geld gespart, hier wurde die Stadt verwaltet, das Museum Erding gegründet, Landwirtschaft unterrichtet und das Rote Kreuz untergebracht. Und jetzt wird hier wieder gegessen, getrunken, geredet.
Wer heute bei LUMA sitzt, sitzt neben Bausubstanz, die rund 650 Jahre zurückreicht. Der Stadtturm, den die Schrannenhalle auf drei Seiten umschließt, stammt aus der Zeit um 1370.

Die Jahre im Überblick
- um 1370Der heutige Stadtturm entsteht.
- 1562An dieser Stelle steht das alte Erdinger Rathaus mit Schranne: unten Getreide, oben die Stadt.
- 1632 · 1648Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, danach Wiederaufbau.
- 1826Die Sparkasse Erding eröffnet hier ihre erste Geschäftsstelle.
- 1856Im „Zeughauszimmer“ beginnt die Geschichte des Museums Erding.
- 1865/66Das alte Rathaus wird abgerissen, die heutige Schrannenhalle entsteht, um den Turm herum gebaut.
- 1873–1902Museum im zweiten Stock, Getreidemarkt im Erdgeschoss.
- 1911Ende der Erdinger Schranne. Die offenen Arkaden werden geschlossen.
- danachLandwirtschaftliche Winterschule, später das Rote Kreuz.
- 1953Die Sparkasse kauft das Gebäude und macht es zur Hauptstelle.
- 2011–2013Denkmalgerechte Sanierung. Das Oxidrot der Fassade kommt zurück.
- 2024/25Der Schalterbetrieb zieht aus. Die große Kundenhalle wird frei.
- 26.09.2026LUMA und die neue Tourist Info eröffnen gemeinsam, im 160. Jahr des Hauses.
Rathaus oben, Getreide unten.
Spätestens 1562 steht hier das alte Erdinger Rathaus. Sein Erdgeschoss ist schon damals eine Schranne, ein Lager- und Handelsraum für Getreide. Jeden Donnerstag findet auf dem Platz davor der Getreidemarkt statt. Nach München entwickelt sich Erding zu einem Getreideumschlagplatz. Für 1821 sind rund 70.000 Erdinger Scheffel überliefert, ungefähr 11.000 Tonnen in einem Jahr.
Im ersten Stock tagt die Bürgergemeinde, es gibt Theateraufführungen und Versammlungen. Das Muster, das sich durch die ganze Geschichte des Hauses zieht, ist also früh da: Handel unten, Öffentlichkeit und Begegnung oben. 1632 und 1648 brennt das Rathaus im Dreißigjährigen Krieg nieder und wird wieder aufgebaut.

Hier beginnt auch die Sparkasse.
Am 2. Januar 1826 eröffnet die Sparkasse Erding im alten Rathaus am Schrannenplatz. Am ersten Tag werden 1.800 Gulden eingezahlt. Sie zieht später aus und kehrt 1953 zurück, indem sie das Nachfolgegebäude ihres ersten Sitzes kauft. 127 Jahre später, genau an diesem Ort.
1856 richtet der Schuhmachermeister Anton Bachmair im selben Haus das „Zeughauszimmer“ ein und macht historische Gegenstände öffentlich zugänglich. Das Museum Erding zählt diesen Tag heute als seine Geburtsstunde.
Die Schrannenhalle. Gebaut um den Turm herum.
Mitte des 19. Jahrhunderts ist das alte Rathaus baufällig und der Getreidemarkt soll wetterunabhängig werden. Die Stadt reißt ab und baut 1865/66 die heutige Schrannenhalle: drei Geschosse, Walmdach, ein hohes Arkadengeschoss im neugotischen Stil. Der mittelalterliche Stadtturm bleibt stehen. Die neue Halle wird um ihn herum errichtet.
Wo heute LUMA einzieht, standen also keine Bankschalter und keine Cafétische. Hier standen Getreidesäcke. Nur sechs Jahre später erreicht die Eisenbahn Erding, und ausgerechnet diese Modernisierung nimmt der Schranne nach und nach ihre Bedeutung. 1911 endet der Getreidemarkt, die Arkaden werden geschlossen. Es folgen die Landwirtschaftliche Winterschule und das Rote Kreuz.


Aus der Schranne wird eine Bank.
Nach der Währungsreform wächst die Sparkasse stark. 1953 kauft sie die Schrannenhalle und richtet dort ihre Hauptgeschäftsstelle ein. Umbauten folgen 1976 und Ende der 1980er. 1984 zieht die Hauptstelle an den Alois-Schießl-Platz, die Schrannenhalle bleibt eine Filiale.
2011 bis 2013 wird das Haus fast vollständig erneuert, im Inneren beinahe ein Neubau im historischen Gebäude. Historische Substanz wird freigelegt, alte Raumproportionen rekonstruiert. Und die Farbe kommt zurück: Nach Untersuchung älterer Farbschichten erhält die Fassade wieder das Oxidrot von 1866. Das war damals umstritten. Heute ist genau dieses Rot Teil der Identität des Gebäudes.
Der Raum, in den LUMA einzieht.
Die ehemalige Kundenhalle im Erdgeschoss hat gewölbeartige Decken und massive Sandsteinsäulen. Bei der Sanierung wurde sie bewusst als repräsentativer historischer Raum herausgearbeitet. Im Kern ist sie eine Freilegung der Markthalle, für die das Gebäude 1866 überhaupt gebaut wurde. Ende 2024 gibt die Sparkasse den Schalterbetrieb hier auf. Die Halle wird frei. Eigentümerin bleibt sie.
Im Oktober 2025 wird das Konzept öffentlich: Tourist Information und Gastronomie in einem gemeinsamen, offenen Raum. Morgens Espresso und Frühstück, mittags kleinere Gerichte, nachmittags Kaffee und Kuchen, abends Essen, Wein und Drinks. Rund 100 Plätze innen, etwa 70 auf der Terrasse. Der Name kommt von „Lumen“, Licht. Und der Platz davor wird gleichzeitig verkehrsberuhigt, mit Bäumen, Sitzgelegenheiten und einem Wasserfeld im Pflaster.

Seit Jahrhunderten kommt hier Erding zusammen.
LUMA ist keine völlig neue Nutzung der Schrannenhalle. Es ist die Rückkehr zu ihrer ältesten Idee: ein offener Ort mitten in der Stadt, an dem Menschen zusammenkommen. Seit dem 26. September 2026, im 160. Jahr des Hauses.